Betroffene aus Nigeria: Flucht direkt in die Prostitution

Tausende Frauen aus Nigeria kommen nach Europa. Oft werden sie Opfer krimineller Banden, die sie zur Prostitution zwingen. Drehkreuz der versklavten Frauen ist Palermo in Italien, wo sich eine neuartige Mafia breitmacht: die "Black Axe", eine Bruderschaft der Schwarzen Äxte, die sich inzwischen als eine gefährliche Mafiabande in ganz Europa ausgebreitet hat, die mit der italienischen "Cosa Nostra" Mafia nichts zu tun hat. Sie plant schon in Nigeria die Verteilung der Mädchen in andere europäische Länder, auch nach Deutschland

Die kriminellen Banden gehören vor allem dem Stamm der Edo an, aus dem Südwesten Nigerias, Edo State, mit Benin-City als Hauptstadt. Seit den achtziger Jahren schon betreiben die "Edo" Handel in Europa. Damals waren es Lederwaren. Später dann Frauen.

In den letzten Jahren haben sie ihre Netzwerke erheblich ausgebaut. Bei der EU-Polizeibehörde Europol heißt es, die nigerianische organisierte Kriminalität sei dafür bekannt, dass sie mit Menschen handelt, so wie die kalabrische Mafia Kokain macht und die albanische Mafia Cannabis.

Nigeria ist mittlerweile das wichtigste Herkunftsland außerhalb der EU. In dem Land, das sehr groß und sehr arm ist, werden Mädchen und junge Frauen mit falschen Versprechungen angelockt. Die Familien schicken ihre Töchter nach Europa, damit sie Geld zurücksenden können, um ihnen den Lebensunterhalt zu finanzieren. 2016 kamen 11 009 Nigerianerinnen von Libyen über das Mittelmeer nach Italien. Von ihnen enden achtzig Prozent auf dem Straßenstrich. Sie arbeiten für 8-10 Euro pro "Dienst". Das Schicksal praktisch aller ist die sexuelle Ausbeutung. Und das beginnt schon, bevor sie die italienische Küste erreichen. Viele von ihnen werden schon in Libyen sexuell ausgebeutet und selbst die, die das dort nicht erleben, erzählen von schlimmer Gewalt und schwerem Missbrauch während der Reise.
Oft wird das älteste von vielen Kindern ausgesandt. Dafür machen die Mädchen und Frauen horrende Schulden, zwischen 25.000 und 65.000 Euro, viel mehr, als die Reise kostet. Sie wissen nicht, dass diese Summe dazu dient, sie abhängig zu machen und zu knechten. Besiegelt wird der ausbeuterische Vertrag mit einem Juju-Ritual (siehe unten), durchgeführt von einem Schamanen. Er flößt der Frau einen Zaubertrank ein, behält außerdem eine Haarsträhne, Schamhaare oder etwas Blut von ihr. Den Mädchen und Frauen, zwischen 13 und 24 Jahre alt, wird eingeredet, dass ihnen und ihren Familien großes Unheil zustößt, wenn sie ihren Schwur brechen.

Auf der gesamten Route werden die Frauen von Nigerianern begleitet, die sich an Grenzübergängen als Verwandte der Opfer ausgeben, tatsächlich aber Schlepper sind. Die Begleiter werden „Boga“ genannt, sie stehen in Kontakt mit der Zuhälterin, der „Madame“. Sie stellen sicher, dass ihre menschliche Fracht auch wirklich in Europa ankommt.

Minderjährigen wird eingetrichtert, sie sollten sich bei der Ankunft älter machen, als sie sind, sonst kämen sie ins Gefängnis. Das hat den Vorteil, dass sie in die Erstaufnahmezentren für Erwachsene kommen, die weniger streng kontrolliert werden. Dort kommen die Mittelsmänner leichter an sie heran. Die Frauen wissen nicht wirklich, was auf sie zukommt. Manchen wurde erzählt, dass sie als Friseurin arbeiten würden oder als Verkäuferin. Stattdessen treffen sie auf ihre Zuhälterin. Die Frauen bewegen sich relativ frei, sie werden nicht täglich kontrolliert. Der psychische Druck reicht, damit sie gefügig bleiben. Das erschwert die Ermittlungen. Beim Bundeskriminalamt heißt es, der Juju-Schwur, den die Frauen geleistet haben, löse bei ihnen so viel Angst und Gehorsam gegenüber den Tätern aus, dass sie nicht willens seien, sich als Opfer von Menschenhandel zu erkennen zu geben.

 

 

 

Menschenhandel von Nigeria nach Europa www.stern.de (c) Alessio Romenzi

(c) www.stern.de Alessio Romenzi

Menschenhandel von Nigeria nach Europa www.stern.de (c) Alessio Romenzi

> "Von der Geflüchteten zur Sexsklavin: Wie Afrikanerinnen in die Prostitution getrieben werden" (ze.tt, Stand: 30.04.2018)
> "100.000 Zwangsprostituierte in Europa von Fluch befreit" (Neue Pressemitteilungen von Free Me – Stop den Menschenhandel Wien, Stand 14.03.2018)
> "Wie nigerianische Frauen in Italien zur Prostitution gezwungen werden" (Süddeutsche Zeitung, Stand: 30.12.2017)
> "Erst Prostitutions-Hölle, dann Abschiebung" (Deutschlandfunk Kultur, Stand: 25.10.2017)
> "Nigerianerinnen werden in Europa zur Prostitution gezwungen" (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Stand: 18.09.2017)
> "Menschenhandel von Nigeria nach Europa" ("Stern"-Reportage, Stand: 26.08.2017)
> "Wie die Mafia Migrantinnen in die Prostitution treibt" (ARD report München, Stand: 16.01.2017)
> "Sexsklavinnen in den Fängen des Juju" ("Beobachter", Schweiz, Stand: 21.11.2016)

Prozesse in Deutschland und England:

> "Afrikanische Frauen mit Voodoo zur Prostitution gezwungen" (Frankfurter Allgemeine, Stand: 28.08.2018)

> "Voodoo-Prozess um Zwangsprostitution am Bochumer Landgericht" (Ruhr Nachrichten, Stand: 25.08.2018)
> "Voodoo-Opfer schildert das blutige Ritual" (Ruhr Nachrichten , Stand: 16.05.2018)

> "Menschenhandel und Zwangsprostitution mit Voodoo" (Luxemburger Wort, Stand: 05.07.2018)
> "Erfolg im Kampf gegen Zwangsprostitution" (Eifel Zeitung, Stand: 29.06.2018)


Was ist ein Juju-Eid (Voodoo-Ritual)?

Bei afrikanischen Opfern wird vielfach mittels des sogenannten Juju-Eids (Voodoo-Ritual) vor einem religiösen Hintergrund eine Abmachung getroffen, die mit einer sehr starken emotionalen Komponente verbunden ist.
Den Opfern werden z. B. vor einem Juju-Priester Schwüre abverlangt, die sie zu absolutem Gehorsam und Verschwiegenheit verpflichten. Manchmal müssen sie ein Tier mitbringen, es töten, vom Blut trinken, die Innereien essen, die Leber, das Herz. Und sie lassen ein Büschel eigenes Kopf- und Schamhaars da, Fingernägel oder eigenes (Menstruations-)Blut - als Pfand. Dadurch wird bewusst die Angst der Opfer geschürt, bei Nichtgehorsam mit Schaden an der eigenen Gesundheit oder der Gesundheit der Familie zu rechnen.
Die so unter massivem psychischem Zwang stehenden Opfer sind nur schwer zu einer Aussage gegen die Täter und zu den Umständen ihrer Ausbeutung zu bewegen. Die Behörden in Deutschland glauben die Geschichten der Betroffenen oft nicht, weil die Beamten und Angestellten nichts von der Kraft des Juju wissen.

„Manche Frauen, die sich weigern, werden einfach verrückt. Einige sterben plötzlich. Andere ertränken sich im Meer. Wieder andere laufen vor den Zug. Das ist afrikanische Magie. Alle haben Angst davor. Deshalb machst du alles, was sie dir sagen“, erklärt eine ehemalige Zwangsprostituierte. Eine andere berichtet, sie habe in Deutschland nur darüber nachgedacht, mit der Polizei zu sprechen. Da habe sie plötzlich ihre Tage bekommen – einen Monat lang. „Das war meine Madame“, sagt sie überzeugt. Quelle > N24

Anders als beim Voodoo, einer animistischen Religion, der mindestens ein Drittel aller Westafrikaner anhängt, ist die Abart "Juju" eher ein enges soziales Netz der gegenseitigen Kontrolle, eine "Schwarzmagie", die in Nigeria und dort vor allem in Benin City stark verbreitet ist. Quelle > Frankfurter Rundschau . Die Behörden in Deutschland glauben die Geschichten der Betroffenen oft nicht, weil die Beamten und Angestellten nichts von der Kraft des Juju wissen.

 

 

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